Auf der sicheren Schiene

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Die Westfälische Lokomotiv-Fabrik Reuschling mit Sitz in Hattingen ist ein Spezialist für die Modernisierung von Schienenfahrzeugen. Bei der Sicherheitstechnik für Lokomotiven sehen der technische Leiter Udo Pinders und Geschäftsführer Walter Schreiber klare Vorteile durch die modularen Steuerungen der HIMatrix-Familie gegeben.

Wir haben mit den beiden Gesellschaftern von Reuschling gesprochen.

Herr Pinders, Herr Schreiber, bitte stellen Sie unseren Lesern das Unternehmen Reuschling kurz vor.

Schreiber: Die Westfälische Lokomotiv-Fabrik Reuschling ist ein Familienunternehmen in der vierten Generation mit rund 120 Beschäftigten. 2014 konnten wir das 100-jährige Jubiläum hier am Standort Hattingen feiern. Schwerpunkt unserer Geschäftstätigkeit ist die herstellerunabhängige Instandsetzung von Schienenfahrzeugen jeglicher Art, überwiegend von Lokomotiven, die im Cargo-Bereich einsetzt werden. Unsere Leistungen reichen von der einfachen Wartung bis zur kompletten Modernisierung von Fahrzeugen und schließen auch das Engineering und den Aftersales-Service und die Dokumentation mit ein. Wir werden außerdem damit beauftragt, Bestandsmaschinen sicherheitstechnisch auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

Pinders: Der Kunde bekommt bei uns alles aus einer Hand. Zu unserem Kundenkreis gehören alle, sie sich auf Schienen bewegen, unter anderem die Schwerindustrie und chemische Industrie, Transportgesellschaften und selbst Museen. Hauptmärkte sind Deutschland und die Anrainerstaaten sowie der nordeuropäische Raum.

Mit welcher Kernkompetenz kann Reuschling im Bahnbereich punkten?

Pinders: Unsere Firma ist extrem tief und breit aufgestellt, wie es bei privatrechtlichen Unternehmen im Markt für Eisenbahntechnik in dieser Form anderswo nicht zu finden ist. Unsere Fertigungstiefe liegt bei 95 Prozent. Kein anderes Ausbesserungswerk hat ein derart großes Know-how in der Aufarbeitung von Komponenten und dazu noch ein eigenes Engineering für alle Bereiche. Die technische Umsetzung unserer Konzepte muss von den Aufsichtsbehörden akzeptiert werden. Da wir die Projekte alle mit eigenen Fachleuten betreuen, haben wir auch hier ein deutliches Alleinstellungsmerkmal im Markt.

Schreiber: Im Gegensatz zu anderen Unternehmen bearbeiten wir alle Fahrzeuggattungen. Wir besitzen darüber hinaus ein umfassendes Wissen zu Einzelkomponenten, für die es keine oder nur unvollständige Dokumentationen gibt. Reuschling hat des Weiteren frühzeitig mit Funkfernsteuerungen angefangen. Unser Konzept der Funkfernsteuerung ist heute weit verbreitet in Deutschland.

"Die HIMatrix-Steuerungen bieten eine deutlich höhere Variabilität"

Wo wird Sicherheitstechnik benötigt?

Pinders: Im Kern für die Loksteuerung. Begreift man die Lok als Maschine, wird schnell klar, dass bestimmte Funktionen innerhalb der Maschine die Sicherheit ausmachen, wie etwa das Bremsen, die Getriebesteuerung, die Motorensteuerung et cetera. Diese Funktionen greifen wiederum ineinander. Dafür gibt es entsprechende Risikobeurteilungen. Man muss dann nachweisen und dokumentieren, dass die ermittelte Sicherheitsstufe eingehalten werden kann. Für den Kernbereich der sicherheitsrelevanten Funktionen legen wir grundsätzlich den Safety Integrity Level SIL 3 fest.

Es gibt viele Hersteller von Sicherheitstechnik. Was macht die HIMA-Technologie für Sie so interessant?

Schreiber: Wir arbeiten mit HIMA zusammen, weil wir dort die Produkte bekommen, die wir brauchen und diese die Sicherheiten zur Verfügung stellen, die der Gesetzgeber verlangt. Viele Steuerungen auf Loks erfüllen die geforderten Sicherheitsanforderungen nicht. Wir sind der Meinung, dass die HIMA-Steuerungen als einzige die Anforderungen voll erfüllen können. Die HIMatrix-Steuerungen bieten eine deutlich höhere Variabilität als andere Geräte und sind ein ausgereiftes System. Die Arbeit mit ihnen macht uns sehr viel Spaß.

Pinders: Vor allem haben wir bei HIMA Ansprechpartner – Menschen, mit denen wir arbeiten können. Für unsere individuellen Konzepte müssen wir gemeinsame Lösungen entwickeln und das geht nur partnerschaftlich im Dialog. Für uns ist es wichtig, dass man sich auf Augenhöhe unterhält und miteinander arbeitet. Das haben wir seitens HIMA bei den spezifischen Projekten sehr produktiv erfahren. Der zwischenmenschliche Kontakt, der bei vielen Großunternehmen fehlt, ist hier einfach gegeben.

"Vor allem gibt es bei HIMA Ansprechpartner"

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Walter Schreiber, Geschäftsführender Gesellschafter und Udo Pinders, Gesellschafter und Technischer Leiter Fa. Reuschling

Welche Projekte haben Sie mit einer Sicherheits-Lösung von HIMA umgesetzt und wie sind hier Ihre Erfahrungen?

Pinders: Im Hafen von Neuss läuft bereits seit gut einem Jahr eine umgebaute Lokomotive mit einer HIMatrix-Steuerung vom Typ F60. In Bremen ist eine weitere im Betrieb. Ein wichtiges Einsatzgebiet wird eine Neuentwicklung von Reuschling sein, die modulare Konzept-Lok R500C. Es handelt sich hierbei um eine wiederaufgebaute Lok, bei der die Grundkomponenten wie Rahmen und Achsgetriebe identisch sind. Alles andere wird in Form von Einzelmodulen neu konzipiert und aufgebaut, wie das Antriebs-, Kompressor-, Getriebe-, Brems- oder Hydraulikmodul. Hier werden HIMatrix F35 und dazugehörige I/O-Module verwendet.

Schreiber: Die Kunden können sich die Module nach ihren Anforderungen auswählen. Was nicht gebraucht wird, wird nicht belegt. Jedes Modul hat eine dafür verantwortliche Steuerungskomponente. Ohne die dezentralen Lösungen von HIMA hätten wir das Konzept so nicht umsetzen können. Sie passen optimal dazu. Durch den modularen Aufbau des Steuerungssystems und die Netzwerkverknüpfungen der einzelnen Komponenten haben wir außerdem einen extrem geringen Verkabelungsaufwand, da wir die Kabel nicht durch die ganze Lok legen müssen.

Welche (Wirtschaftlichkeits-) Potenziale können Sie in moderner Sicherheitstechnologie erkennen?

Pinders: Die Lösungen, die man mit solchen offenen Systemen erarbeiten kann, eröffnen innovative Möglichkeiten für weiteres Geschäft und helfen uns bei der Umsetzung unserer Ideen. Ganz wichtig ist dabei auch der wirtschaftliche Aspekt im Aftersales-Geschäft. Die Module lassen sich schnell nachrüsten oder austauschen. Der Kompressor kann beispielsweise auf einer Schublade einfach herausgezogen und gewartet werden. Die Maschine ist dadurch innerhalb kürzester Zeit wieder einsatzbereit und verfügbar. Bei anderen Maschinen muss dafür die gesamte Haube abgebaut werden. Dann kann der Ölwechsel drei Tage dauern – nur am Kompressor und nicht an der Hauptmaschine!

"Ohne die dezentralen Lösungen von HIMA hätten wir das Konzept so nicht umsetzen können"

Wie beurteilen Sie die Tendenz, verstärkt COTS-Sicherheitssteuerungen im Bahnbereich einzusetzen?

Pinders: Wir setzen zu 100 Prozent COTS-Lösungen ein. Im Markt reift derzeit die Erkenntnis, dass solche Systeme aufgrund der großen Verbreitung in anderen Bereichen und der ausgereiften, sicheren Technik Vorteile gegenüber proprietären Steuerungslösungen haben. Es ist nichts besser und wirtschaftlicher, als eine angestammte, entwickelte und fertige Lösung zu nutzen. Hinter COTS steht ein stabiler Industriestandard. Die Verfügbarkeit der Ersatzteile ist stets gegeben. Und für die Anwender gibt es weniger Hemmschwellen, ein solches System einzusetzen, weil es eine Flächenlösung ist und keine Insellösung. 

Haben Sie konzeptionelle Ideen, für die es noch keine konkreten Lösungen/Produkte im Markt gibt?

Pinders: Konzeptionell ist jedes Projekt eine individuelle Aufgabe für uns. Aufgrund der klaren Vorteile werden wir das modulare Konzept verstärkt einsetzen.

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Luftgerüst

Wie sehen Ihrer Meinung nach die sicherheitstechnischen Rail-Konzepte der Zukunft aus?

Schreiber: In zehn Jahren werden die Lokomotiven vielleicht anders aussehen als heute, aber inhaltlich sehe ich kein großes Änderungspotenzial, da es sich um ein lang durchdachtes Konzept handelt. Sicherheit hat bei der Eisenbahntechnik seit eh und je einen hohen Stellenwert. Es wird sicherlich Verfeinerungen geben, vielleicht neue Arten der Redundanz bei den Steuerungen. Auch von lernfähigen Steuerungen ist die Rede.

Pinders: Die sicherheitstechnischen Rail-Konzepte ergeben sich über die gegebene Rechtslage. Dieses Handlungsfeld ist nicht besonders breit. Hier sind Cleverness und die eingesetzte Technik wichtig. Das Zugsicherheitssystem ETCS wird uns in den nächsten Jahren bei Nachrüstungen sicherlich beschäftigen. Die Interoperabilität muss dabei sichergestellt sein.   

Herr Pinders, Herr Schreiber, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Rail Safety News

Rail Safety News 2014

Wirtschaftliche COTS-Sicherheitslösungen für die Bahnindustrie

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Das modulare Aufbauprinzip der Reuschling-Lok


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